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Warum eigentlich Open Source und was hat das ganze mit Tomatensamen zu tun?

Morgen findet die Leipziger KlimaFAIR statt und auch wir werden mit einem Infostand vor Ort sein. Neben coolen Stickern werden wir Open Source-Tomatensamen verteilen, damit ihr im nächsten Frühjahr leckere Tomaten in piratigem Orange anbauen könnt.

Doch was ist eigentlich dieses Open Source und warum setzt sich die Piratenpartei Leipzig dafür ein?

Open Source bedeutet übersetzt offene Quelle. Open-Source-Software ist Software, deren Quelltext, also der in einer Programmiersprache geschriebene Text eines Computerprogramms, öffentlich ist und von Dritten eingesehen, geändert und genutzt werden kann. User, die die verwendete Programmiersprache beherrschen, können dadurch die Software speziellen Bedürfnissen anpassen, Schwachstellen ausbessern oder Verbesserungen vorschlagen.

Open-Source-Software kann zudem, unter Einhaltung der Lizenzbedingungen, in der Regel kostenlos genutzt und verteilt werden.

Das bringt einige Vorteile gegenüber geschlossener Software. Die User sind dadurch nicht von einem einzelnen Hersteller abhängig, da sich viele verschiedene Personen, Unternehmen, Vereine usw. an der Entwicklung der Software beteiligen können. Auch du als einfacher User könntest Verbesserungen oder Anpassungen vornehmen. Dinge, die den Usern schaden können, wie z.B. Backdoors für Spionagezwecke, können außerdem nicht einfach so in Open-Source-Software eingebaut werden, da dies durch den offen einsehbaren Code sofort bemerkt werden würde. Ein weiterer Vorteil sind die Kosten. Wie bereits geschrieben, kann diese Software unter bestimmten Bedingungen kostenlos genutzt und verbreitet werden. Anstatt z.B. teure Lizenzgebühren für Microsoft Office zu zahlen, kannst du einfach das kostenlose Libre Office verwenden.

Soweit so gut. Aber was war das jetzt mit den Tomatensamen und warum sind wir damit eigentlich auf der KlimaFAIR? So richtig was mit Klima hat das ja nichts zu tun, oder doch?

Kommen wir zunächst zu den Tomatensamen, denn nicht nur Software kann Open Source sein.

Was neben Software ebenfalls Open Source sein kann, sind Pflanzensamen. Diese können mit einer Open-Source-Saatgut-Lizenz ausgestattet sein. Bei dieser wird versucht, das Prinzip der Open-Source-Software auf das Saatgut zu übertragen. Das bedeutet, Pflanzen, die aus Open-Source-Saatgut gewonnen werden, dürfen ohne Einschränkungen vermehrt, verkauft, weitergegeben oder für die Zucht neuer Sorten verwendet werden. Zudem dürfen das Saatgut und seine Weiterentwicklungen nicht privatisiert werden.

Das bedeutet vor allem für die kleinen Betriebe in der Landwirtschaft eine gewaltige Erleichterung. Wenn diese aufgrund von Patenten nicht die Chance haben, Saatgut selbst nachzuziehen oder untereinander zu tauschen, sind sie gezwungen, Jahr für Jahr teures Saatgut von großen Konzernen zu kaufen. Weltweit gibt es mehr als 500 Millionen kleinbäuerliche Betriebe, für die das eine enorme Belastung darstellt und häufig das Abrutschen in eine Schuldenspirale bedeutet.

Aber auch für die Biodiversität und damit wiederum für unser Klima (denn Biodiversität ist ein wichtiger Baustein, sowohl für den Klimaschutz als auch für die Anpassung an die bereits laufende Klimakrise) ist Open-Source-Saatgut von Bedeutung. Dadurch, dass alle das Saatgut zur Zucht neuer Sorten verwenden können, entsteht eine größere Vielfalt an Sorten und auch die Chance, dass z.B. gegen extreme Witterungsbedingungen oder sich durch Klimaveränderungen ausbreitende Pilze und Krankheiten resistente Sorten entwickelt werden, steigt dadurch an.

Egal, ob Software oder Saatgut. Open Source bietet durchaus Vorteile für uns alle. Aus diesem Grund fordern wir von der Piratenpartei Leipzig nicht nur den Einsatz von Open-Source-Software in der öffentlichen Verwaltung, sondern auch die Förderung von Open Source in der Landwirtschaft.

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